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Ob am Samstag oder Sonntag – in Harrachov ist Freitag vorn

15.12.11
Skisprung
Es heißt ja, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Beim Skispringen muss man mit diesem Satz vorsichtig sein. Spätestens seit Richard Freitag den dritten Adventssonntag zu seinem Feiertag erklärte und am Teufelsbakken von Harrachov zu seinem ersten Weltcupsieg segelte. Denn der Name Freitag stand im Skisprungverrückten Ort an der Grenze zwischen Tschechien und Polen schon einmal in den Siegerlisten.
Richard Freitag
Exakt am 8. Januar 1983 gab es einen Freitag – Sieg in Harrachov. Das war ein Samstag – scheint so, als sei Familie Freitag für Erfolge an den Wochenenden zuständig…

Der Wochentag seines ersten Triumphes wird dem eher stillen Richard einigermaßen egal gewesen sein, der Ort des Sieges nicht. Denn noch im Auslauf wurde der Sachse an den Erfolg des Papas erinnert. Der schaute im heimischen Auerbach am Fernseher zu und die Grüße und Gedanken seines Sohnes fanden akustisch den Weg in die heimatliche Stube. „Da wird ganz schön was los sein zuhause“, vermutete Richard, gerade vom Siegespodest gehüpft. Zuvor hatte er Supersätze zu Tal befördert, selbst miserabler Rückenwind  konnte ihn nicht davon abhalten, mit 137,5 Metern Tagesbestweite zu erreichen. Nicht irgendwann, sondern unter größtem Druck, als letzter Springer im Finaldurchgang.

Der Erfolg des Junioren-Vizeweltmeisters mit dem Team hatte sich irgendwie angekündigt. Nach für Richard grauenhaften Trainingstagen in Kuusamo und einem durchwachsenen Teamspringen zum Weltcupauftakt - „Ich hoffe, dass die anderen den Wettbewerb trotz meiner Graupe irgendwie noch retten können“, hatte er im Auslauf in Finnland noch geseufzt, schaffte der Vogtländer, der für den sächsischen Verein Nickelhütte Aue startet, ausgerechnet im Qualifikationssprung zur ersten Einzelentscheidung einen passablen Sprung, dazu einen ordentlichen ersten Durchgang. Im zweiten Versucht katapultierte sich Freitag in die Top-Ten – und von nun ab ging eigentlich alles. In Lillehammer folgte der erste Flug auf Siegerpodest – Rang 2 von der kleinen Schanze. In Harrachov nur die bisherige Krönung der Karriere. Und Richard hofft auf signifikante Unterschiede zur Laufbahn seines Vaters. Denn Holger Freitag kam mit dem Team 1982 in Oslo auf den 4. Platz – der Sohn 29 Jahre später ebenfalls. Freitag sen. siegte in Harrachov – der Filius auch. Bei Holger Freitag blieb es bei einem Weltcupsieg. Dafür schaffte der Papa später den Absprung vom Schanzen- auf den OP-Tisch, praktiziert heute als Orthopäde Dr. Holger Freitag in Auerbach im Vogtland.

Gegen einen ordentlichen Beruf hätte sein Sohn auch nichts, nur dürfen es zuvor durchaus noch ein paar Weltcupsiege mehr sein. Zum Beispiel bei der Vierschanzentournee. Dort will Richard angreifen. Auch wenn er weiß, dass spätestens nach seinem Erfolg von Harrachov der Trubel gewaltig sein wird. „Das muss man genießen, ich bin schon 2x bei der Tournee gewesen, das war o.k. – und selbst, wenn es jetzt etwas wilder wird – besser so herum, als erklären zu müssen, woran es lag, dass wir so schlecht gesprungen sind.“ Man darf also gespannt sein, in welche Richtung sich der junge Sachse in den kommenden Wochen entwickelt: König Richard der Schanzen winkt als Titel, aber auch die Angst, den erfolgsverwöhnten Österreichern hinterher zu springen, wie einst sein Namensvetter einem gewissen Robinson Crusoe.

Quelle
Erwin Bergel
2011-12-16
Stand: 03.10.2022
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Manuel Hering
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