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Felix Neureuther beendet seine Karriere als aktiver Skirennfahrer

16.03.19
Ski Alpin
Felix Neureuther tritt vom Leistungssport zurück. Das gab der 34-jährige Skirennfahrer im Rahmen des Saisonfinales in Soldeu (Andorra) bekannt. Mit insgesamt fünf WM-Medaillen, 13 Weltcup-Siegen in Slalom und Riesenslalom sowie 41 Weltcup-Podesplätzen geht Felix Neureuther als erfolgreichster deutscher Skirennfahrer in die Geschichte ein.
Felix Neureuther

Felix, der Glückliche – zukünftig auch ohne Ski-Weltcup!


Die Weltelite des alpinen Skirennsports kämpft 2003 im Schweizer Nobelskiort St. Moritz um WM-Medaillen. Gegen Ende der Veranstaltung betritt Felix Neureuther, 18 Jahre alt, Sohn der Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther das Teamhotel. Ein erster Auftritt, der die Taktung für die folgenden 16 Profijahre vorgibt: "Gefällt mir gut hier. Am Eingang habe ich gleich zwei super Hasen gesehen." Ein lockerer Spruch, der das Eis zwischen Sportler und Öffentlichkeit bricht. Zwei Tage später legt der Youngster sportlich nach, mit ihm wird zu rechnen sein: Laufbestzeit im zweiten Durchgang des WM-Slaloms, das erste große Rennen auf Platz 15 beendet - Respekt!

Von dem Moment an, da Felix Neureuther die internationale Bühne des Skirennsports betreten hat, ist klar, der junge Mann hat Talent, Charme und Witz. Er kann gut Skifahren und ist schlagfertig. Die Erwartungshaltung, nach Wasmeier, Bittner und Wörndl in Deutschland einen neuen Ski-Star bejubeln zu können, steigt vom ersten Tag an. Felix aber fällt in den ersten Jahren eher als rasanter Teilzeitengewinner auf, der nach Einfädlern oft nicht ins Ziel kommt.

Der junge Neureuther muss einem inneren und äußeren Erwartungsdruck gerecht werden, sich dabei auch von den Ski-Erfolgen seiner Eltern freifahren. Das ein oder andere Mal scheint das nicht zu gelingen. Seine Art und sein unglaubliches Bewegungstalent reichen erst einmal nicht aus, um sich in der absoluten Weltspitze zu etablieren. "Der Sohn von ..." wird kritisiert und muss schnell lernen, wie es sich anfühlt, öffentlich auch am Pranger zu stehen.

Es gibt Tage, da möchte Felix die Ski in die Ecke stellen. Doch nach und nach stellen sich die ersehnten Erfolge ein. Sie nehmen den Druck und motivieren weiter, das zu tun, was Felix am meisten Spaß macht: Skirennen fahren.

2005 gewinnt er in Bormio die erste von fünf WM-Medaillen, Gold bei der Premiere des Teamwettbewerbs. 2010 folgen Weltcup-Siege. Felix holt sich seine erste Gams in Kitzbühel und jubelt nicht weniger emotional mit seinen Heimfans über den Slalomsieg am Gudiberg. Fortan ist der smarte, lässige Ski-Held aus Garmisch-Partenkirchen das personifizierte Versprechen für die für Ski-Deutschland so wichtige Heim-WM nur ein Jahr später an selber Stelle.

Aber das erhoffte Freudenfest ist für Felix ein Tiefschlag: Nullnummer bei der Heim-WM, einer der bittersten Momente in seiner Karriere. "Ich wollte mich abschirmen, nur auf die Rennen konzentrieren und verkrampfte dabei total." Felix fehlt das, was ihn bisher stark gemacht hatte: mit Leichtigkeit, Cleverness, Urvertrauen in das eigene Tun und aus einer Freude heraus zu agieren. Daraus lernt er.

Alles in seinem bisherigen Rennfahrerleben wird auf den Prüfstand gestellt. Am Ende steht der Entschluss, Felix fährt weiter. Professioneller und fokussierter. Aus Felix wird der erfolgreichste deutsche Skirennfahrer - dessen Eltern auch berühmte Skifahrer waren.

2013 gewinnt Neureuther mit Silber im Slalom seine erste WM-Einzelmedaille in Schladming und feiert darüber hinaus drei Weltcup-Siege im Slalom. Im Winter 2013/14 bescherte er dem DSV außerdem den historischen Riesenslalomsieg in Adelboden. Felix´ Bilanz: 13 Weltcup-Siege, 47 Weltcup-Podestplatzierungen, fünf WM-Medaillen, davon drei bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften, nach Silber in Schladming folgen Bronze in Vail und St. Moritz.

Zur Kehrseite der Erfolge gehört Felix´ Krankenakte, allzu oft verletzte er sich zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten: in Top-Form unmittelbar vor Großereignissen. Neureuther war auch der Rücken, Nacken oder das Knie der Nation, machte auch mit HWS-Trauma und lädiertem Bandscheiben Schlagzeilen: "Hinfallen ist keine Schande, nur liegenbleiben. Jammern gibt's nicht."

Felix suchte bei sportlichen Misserfolgen nicht nach Ausreden und akzeptierte Erfolge der Konkurrenz neidlos. An Jahrhundertskifahrer Marcel Hirscher musste auch er sich die Zähne ausbeißen: "Ich bin Marcel dankbar, dass er mit seinen Leistungen die Latte so hoch gelegt hat, durch ihn hatte ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln, noch besser zu werden."

Vielleicht firmiert Felix deshalb in Österreich, Südtirol und der Schweiz als "Lieblingsdeutscher". Egal wo und mit welcher Zeit er durchs Ziel fährt - die Fans lassen ihn hochleben. Beim Night Race in Schladming feierten ihn 50.000 Fans als Achter wie einen Sieger. Österreichische Fans, bei einem Rennen in Österreich!

Felix hat sich mit seinen Erfolgen und seiner Art bei der Konkurrenz Respekt erarbeitet und neben Freundschaften auch eine Fangemeinde über den Wintersport hinaus erschlossen. Er zählt zu den bekanntesten Sportlern in Deutschland und gilt als jemand, der für seine Überzeugungen einsteht.

Er hat sich in die Herzen der Menschen gefahren. Auch oder gerade weil er neben der Piste für Gesprächsstoff sorgt, mit gehaltvollen und klaren Aussagen. Felix bezieht Standpunkte, wenn es um die Entwicklung der Olympischen Spiele oder andere sportpolitische oder gesellschaftlich relevante Themen geht.

Ein weiteres Talent: Felix, der Schauspieler. Neureuther nutzt die Sozialen Medien auf eigene Art und Weise. Er pfeift auf regelmäßige Posts, setzt Dinge, treffsicher im Zeitgeist, nur ab, wenn ihm danach ist.

Wirklich nutzt er seine Popularität für andere Dinge. Wichtig ist ihm, sich für andere Menschen zu engagieren: mit dem DSV-Felix-Neureuther-Race-Camp oder seiner Stiftung Beweg dich Schlau. Felix möchte Kinder in die Bewegung bringen. Weil Sport bei der Charakterbildung wichtig sein kann. Dafür steht der Sohn von Mittermaier und Neureuther nun mal.

Mit Felix Neureuther beendet der erfolgreichste alpine Skirennfahrer Deutschlands seine einzigartige Karriere. Der Deutsche Skiverband akzeptiert diese Entscheidung und bedauert sie sehr. Denn mit Felix Neureuther verliert der DSV nicht nur einen herausragenden Spitzensportler, sondern auch einen großen Symphatieträger. Der Deutsche Skiverband wünscht Felix alles Gute für die Zukunft und dankt ihm besonders für sein hoffentlich anhaltendes Engagement für den Skisport.
2019-03-16
Stand: 17.07.2019