Karriereende: Johannes Rydzek bestreitet am Holmenkollen seinen letzten Wettkampf
12.03.2026
Johannes Rydzek (SC Oberstdorf) beendet seine außergewöhnliche Karriere. Das Gundersen-Einzel am Sonntag am Holmenkollen wird zum letzten Aufgalopp für den Allgäuer. In Oslo endet damit vor angemessener Kulisse eine der bemerkenswertesten Wintersportkarrieren, die der deutsche Skisport hervorgebracht hat.
Johannes Rydzek, Oberhof 2026

"Es ist Zeit, lebewohl zu sagen! Es fühlt sich der Moment richtig an, ich bin voll mit mir im Reinen. Es ist schön, aktuell noch einmal der Beste im deutschen Team sein zu dürfen. Im Gepäck nach Norwegen sind ganz viele Emotionen, auch Wehmut ist mit dabei.

Es waren so viele schöne Momente, die ich in dieser Saison noch einmal erleben durfte – auch wenn Olympia nicht so verlaufen ist, wie man es sich vielleicht erträumt hatte. Allein noch einmal zu Olympischen Spielen fahren zu dürfen, die Podestplätze im Saisonverlauf, das Skifliegen, der Mixed-Team-Sprint – das sind so schöne Erlebnisse, die ich noch einmal hatte. Jetzt ist dieser Moment, an dem ich sage: Es ist schön, was ich erreichen und erleben durfte, und an der Zeit, an einem Höhepunkt – auch wenn es im Vergleich zu anderen Erfolgen ein kleiner Höhepunkt ist – abzutreten.

Gleichzeitig tut das aber auch weh. Ich war mehr als die Hälfte meines Lebens im Weltcup unterwegs. Diesen Weg, mit diesen Momenten und den Menschen, die ich kennenlernen und erleben durfte, werde ich auch vermissen. Ich möchte der Kombination in irgendeiner Form erhalten bleiben. Weil mir dieser Sport so viel gegeben hat, wird er auch immer einen ganz großen Platz in meinem Herzen haben. Schön ist auch, dass ich persönlich einen so erfolgreichen und versöhnlichen Abschluss der aktiven Laufbahn erlebe. Das ist nicht jedem vergönnt, ohne jede Bitterkeit zu gehen – da ist nur Liebe für den Sport.

Am Sonntag werde ich mich noch einmal feiern lassen, dann freue ich mich auf alles, was danach kommt. Meine Frau, meine Familie und meine Freunde sind hie und da doch etwas zu kurz gekommen. Und ich habe auch andere Interessen, in die ich sehr gut Zeit investieren kann."

Bemerkenswerte Karriere
Zwischen 2011 und 2026 stand Johannes 47 Mal auf dem Weltcup-Podium (18 Siege), von 2011-2019 jedes Jahr mindestens einmal, auch 2022 (1), 2025 (1) und 2026 (3) wieder.

Acht Weltcup-Siege und insgesamt 17 Weltcup-Podestplätze schaffte Johannes allein in der alles überstrahlenden Saison 2016/17 – als er bei den Nordischen Weltmeisterschaften in Lahti alle vier möglichen Titel gewann. Bei fünf Olympiateilnahmen gewann Rydzek Bronze, Silber und zwei Mal Gold, darunter der Einzeltitel von Pyeongchang. Bei seinen insgesamt 13 Olympiawettkämpfen zwischen Februar 2010 (Whistler) und Februar 2026 (Mailand-Cortina) schaffte Johannes zehn Mal Top-8-Resultate.

Schon bei Juniorenweltmeisterschaften hatte Rydzek zwischen 2009 und 2011 in Strbske Pleso, Hinterzarten und Otepää Bronze, Silber und zwei Mal Gold gewonnen. Bei FIS Nordischen Ski-Weltmeisterschaften folgten zwischen 2011 und 2025 14 Medaillen (24 Starts), darunter sieben goldene (4x Team, 3x Einzel). Mit dem letzten Gundersen-Einzel in Oslo hat Johannes Rydzek dann 336 Weltcuprennen (2009-2026) absolviert (Gesamt-Weltcup: 1x1., 1x2., 1x3., 2x4., 1x5., 2x6., 1x8., 2x9. – nur in seinen ersten beiden Saisons nicht in den Top-15 der Gesamtwertung), vor Oslo stand er 71 Mal auf dem Podium, darunter 26 Siege (18x Einzel, 8x Team).


Horst Hüttel, Sportdirektor Weltcup Skisprung/Nordische Kombination
"Mit Johannes Rydzek verlässt einer der erfolgreichsten und prägendsten Athleten die internationale Bühne der Nordischen Kombination. Ich kann mich noch an seine Schülercupzeiten erinnern: Johannes gehört dem extrem erfolgreichen 'goldenen' Jahrgang 1991 an, aus dem im Skispringen und in der Nordischen Kombination extrem viele Athleten den Weg bis in die Nationalmannschaften geschafft haben: Rydzek, Bodmer, Kraus, Morweiser, Freitag, Eisenbichler – da war Johannes von Anfang an dabei, und es folgten sehr erfolgreiche Jugend- und Juniorenjahre, inklusive einer erfolgreichen Heim-Junioren-WM in Hinterzarten 2010. Daran aschließend folgte 16 Jahre lang eine fast beispiellose internationale Karriere – man kann nur den Hut ziehen vor einem so tollen Athleten! Prägend waren sicher die beiden Jahre 2017 und 2018, mit den vier WM-Titelgewinnen in Lahti und zwei olympischen Goldmedaillen im Jahr darauf bei Olympia in Südkorea.

Rückblickend sind drei Trainer an dieser Sportlerkarriere maßgeblich beteiligt gewesen: Thomas Müller, sein Heimtrainer in Oberstdorf, Andreas Bauer, der Johannes als Co-Trainer der A-Mannschaft viel im Skisprungbereich mit auf den Weg gegeben hat, und Hermann Weinbuch, als der Bundestrainer, der Johannes geformt und geführt hat. Neben vielen anderen hat Johannes diesen drei Personen einiges zu verdanken. So wie umgekehrt jeder, der mit Johannes zusammen gearbeitet hat, Johannes viel zu verdanken hat – weil er immer viel von dem zurückgegeben hat, was an Arbeit in ihn investiert wurde.

Ich wünsche Johannes alles erdenklich Gute für seinen weiteren Weg. Johannes Rydzek war auch einer der ersten, der immer ein offenes Ohr für die Belange der Damen-Kombination hatte und hat. Das war und ist toll anzusehen."
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Eric Frenzel
"Ein erneuter Wermutstropfen, dass Johannes seine Karriere jetzt beendet. Er hat sich tatsächich noch einmal bis in die Weltspitze nach vorne gekämpft. Das zeigt, zu was er imstande ist – davor kann man nur den Hut ziehen! Über so viele Jahre auf einem so hohen Leistungsniveau performen zu können, immer wieder parat zu sein bei Großereignissen – das ist nicht einfach, das war großartig. Ich bin dankbar, so viele Jahre mit ihm verbracht zu haben. Als Sportler, aber auch als Trainer: die Arbeit mit einem Athleten, der immer wieder bereit war, mit Wille und Ehrgeiz alles zu geben, Tag für Tag, mit enorm hoher Motivation, über so viele Jahre – das schaffen nicht viele, Johannes ist eine Ausnahme. Darauf kann er stolz sein, aber auch wir als Deutscher Skiverband, dass wir so einen Sportler in unseren Reihen hatten. Es bleibt ein bisschen traurig, ihn zu verlieren. Ich wünsche ihm nur das Allerbeste für seine Zukunft."

David Mach
"Johannes ist ein ganz, ganz Großer, das ist eine Wahnsinnskarriere, die er hingelegt hat! Die Anzahl der Erfolge ist das Eine, ich habe ihn jetzt aber auch über Jahre als Teamkollegen erlebt und war oft mit ihm auf dem Zimmer: Was für mich an seiner Karriere heraussticht ist, wie er es geschafft hat, sich immer wieder mit einem wahnsinnigen Ehrgeiz aufzuraffen und sein Niveau zu steigern, sich den Gegebenheiten anzupassen. Und er dann in eigentlich ganz verschiedenen Zeiten dieser Sportart erfolgreich war, und er die Jungen, die nachrückten, hinter sich in Schach gehalten hat. Gerade in seiner letzten Saison hat er sich noch einmal wahnsinning in Form gebracht – da kann man nur den Hut ziehen! Ein toller Teamkollege, von dem ich viel lernen konnte, mit dem ich mich auch gut verstehe und mit dem ich hoffentlich in Kontakt bleiben werde."

Julian Schmid
"Mit Johannes verlässt uns einer der Größten unseres Sports. Herausragend – einer, der eine ganze Generation geprägt hat. Der speziell in den letzten Jahren viele junge Sportler motiviert hat, das macht ihn auch aus. Er bringt perfekt rüber, was es in unserem Sport braucht: Ehrgeiz, Mut, auch mal was Neues auszuprobieren – auch im 'höheren' Alter, das hat er zuletzt noch einmal gezeigt. Er wird ein großes Loch hinterlassen, man kann ihm nur zu einer außergewöhnlichen Karriere gratulieren und das Beste wünschen."

Jenny Nowak
"Ich weiß gar nicht, wo man bei so einer krass guten und bewundernswerten Karriere anfangen soll: Johannes ist mehrfacher Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister, mehr kann man einfach nicht erreichen. Er kann sehr stolz sein auf das, was er selbst erreicht hat, aber auch auf das, was er der Sportart gegeben hat – für die er sich immer eingesetzt hat, vor allen Dingen auch für uns Mädchen. Über die Jahre haben wir ein enges Verhältis entwickelt, er hat mir in vielen Dingen sehr geholfen, auch und insbesondere wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Bei Johannes konnte ich mir immer gute Tipps holen, er hat mir und uns Frauen extrem viel geholfen! Man kann sehr viel von ihm lernen, es ist sehr schade, dass er aufhört – aber er hat alles erreicht. Ich hoffe, dass er in Oslo einen schönen Abschluss erleben darf und freue mich, dass ich dabei bin. Ich wünsche ihm nur das Beste für das, was danach kommt. Ich danke Johannes Rydzek für das, was er für die Sportart getan hat."

Ronny Ackermann
"Johannes Rydzek war 15 Jahre lang in der Weltspitze und hat so ziemlich alles gewonnen, was man in unserer Sportart gewinnen kann. Er war immer ein Sportler, der sehr trainingsfleißig war und der Lust hatte, seine Grenzen zu verschieben – den man im Training eigentlich eher immer etwas bremsen musste, dass er nicht etwas zu viel macht. Es hat wahnsinning Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu arbeiten. Seine herausragendsten Saisons waren sicher die Jahre 2017 und 2018 – als er in Lahti bei der WM zum Beispiel alle vier möglichen Titel gewonnen hat und in Pyeongchang dann Doppel-Gold. Herausragend war auch seine Karriere insgesamt, auch seine Konstanz über lange Jahre im Weltcup. Johannes war immer eine feste Bank im Team, auf ihn konnte man sich einfach verlassen. Ich wünsche Johannes – und bin mir sicher –, dass er seinen Weg auch nach der Karriere geht – und unserem Sport vielleicht in irgendeiner Form erhalten bleiben kann. Sei es, jungen Talenten seine Erfahrung weiterzugeben oder dem Sport weiter zu helfen – denn er ist ein Sprachrohr und Aushängeschild für diese Disziplin!"

Fabian Rießle
"Eine beeindruckende Karriere – in der vielleicht auch ein, zwei schlechtere Saisons dabei waren. Johannes war außergewöhnlich lange international erfolgreich. Er hat sich aber speziell in den letzten zwei Jahren noch einmal zurückgekämpft in die Weltspitze. Und hat noch einmal bewiesen, dass er zu den besten deutschen Athleten gehört – zuletzt mit dem Teampodest in Lahti. Chapeau, was für eine krasse Karriere!"