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Das bleiben doch meine Schützlinge

06.01.13
Langlauf
Ex-Bundestrainer Jochen Behle beobachtet die Entwicklung in seiner Disziplin nach wie vor genau und prognostiziert dem Langlauf schwere Zeiten.
Jochen Behle
Die Tür des neuen DSV-Wachtrucks steht offen. Im Bus hantieren die Techniker um Jens Laubner. Ein alter Bekannter steht inmitten der werkelnden Schar und erkundigt sich nach Neuigkeiten. Jochen Behle, Ex-Bundestrainer ist zurück in seinem Element. Allerdings recherchiert Behle diesmal in anderer Mission. Denn seit Saisonbeginn arbeitet der Korbacher als Experte für den Sender EUROSPORT, kommentiert die Weltcuprennen und glänzt mit seinem Fachwissen. "Das ist manchmal ein schmaler Grat, denn man kann natürlich nicht alles sagen, was man weiß", berichtet der 52-Jährige über die Tücken der neuen Tätigkeit. "Denn irgendwie bin ich natürlich immer noch auch Vertrauensperson für meine Schützlinge." Seine Schützlinge? Behle nickt: „Das sind doch immer noch meine Mädels und meine Jungs, daran ändert sich doch nichts, bloß weil ich jetzt nicht mehr der verantwortliche Trainer bin."

Zehn Jahre hat Jochen Behle, einst selbst ein Weltklasse-Langläufer, die Geschicke als verantwortlicher Bundestrainer geleitet, hat koordiniert, Trainingspläne entworfen, fühlte sich verantwortlich für Logistik und langfristige Planung und war auch der erste Protagonist des Langlaufs in Deutschland. Trotz der Erfolge von Rene Sommerfeld, Axel Teichmann und Tobias Angerer, trotz der Olympischen Goldmedaillen der Frauen - Behle war der Frontmann, war allzeit präsent. "Wir sind eine Randsportart, da musst Du den Medien entgegenkommen", erläutert der Hesse seine Beweggründe. Sicherlich profitierte der einstige Klassik-Spezialist dabei auch noch von der legendären Übertragung des olympischen Rennens über 15 Kilometer von Lake Placid, als ihn ZDF-Reporter Bruno Moravetz 1980 trotz zwischenzeitlicher Bestzeit nicht im Live-Bild finden konnte und immer wieder auf dem Sender die Frage stellte: "Wo ist Behle?".

Inzwischen jedoch kann man den passionierten Golfspieler (Handicap 7) aber wohl eher an seinen Erfolgen als Trainer erkennen. In seine Zeit an der Spitze der deutschen Skilangläufer fallen drei Weltmeistertitel, drei Olympiasiege und vier Triumphe im Gesamtweltcup. Besser war der deutsche Skilanglauf noch nie aufgestellt.

Da aber Konsequenz und Geradlinigkeit zu den Charakterzügen des Hessen zählen, erklärte er nach dem letzten Skiwinter seinen Rücktritt als Bundestrainer. "Ich habe immer auf Teamwork gesetzt, die Entwicklung lief aber in eine andere Richtung. Und die konnte ich nicht mehr verantworten." Und so kritisiert er, inzwischen als Nordischer Sportdirektor des Hessischen und Westdeutschen Skiverbandes arbeitend, die Zersplitterung im Team und prognostiziert dem Langlauf in Deutschland schwere Zeiten. "Tobias Angerer wird sicher am ehesten noch in der Lage sein, bei Höhepunkten für Überraschungen zu sorgen, aber der Kampf um Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen wird immer härter. Mit Tim Tscharnke und Hannes Dotzler seien bei den Herren zwei mögliche Läufer mit Potenzial für Podestplatzierungen nachgerückt, bei den Frauen fehlt mir da im Moment die Phantasie", gibt Behle zu Protokoll. Um gleich nachzulegen: "Es ist schwer, junge Leute für eine derart trainingsintensive Disziplin wie Skilanglauf zu motivieren, wenn einerseits so viele andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung existieren, wie in der heutigen Zeit." Andererseits würde auch die Gesellschaft nicht bereit sein, den Sport zu fördern. Ganztagesschulen seien für den Skilanglauf der Tod. "Wenn Du um 15:30 Uhr die Schule verlassen darfst und eine Stunde später ist es draußen dunkel, kannst Du vernünftiges Langlauftraining vergessen." Trotzdem gibt Jochen Behle die Hoffnung nicht auf. "Seit dem Spätsommer bin ich in Hessen und Nordrhein-Westfalen dabei, Strukturen zu verändern, um den Nachwuchs zu fördern", das ist mein Job bis 2014. Was danach kommt, weiß der Ex-Trainer noch nicht. Im DSV will Behle jedenfalls nicht mehr anheuern. Zumindest nicht als Sportdirektor. "Das Angebot hatte ich vor Vancouver, das habe ich mir überlegt und dann abgelehnt", erklärt er. Aber er sei sich sicher, dass sich reizvolle Aufgaben finden werden. Spricht' s und verschwindet in der Kommentatorenkabine von EUROSPORT. Um sich dem Geschehen bei der VIESSMANN Tour de Ski zu widmen. Als Reporter und Experte.


Quelle:
VIESSMANN-Pressedienst, 05.01.2013

Weitere Informationen: VIESSMANN-Wintersport-Seite www.viessmann-sports.de
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